28 Aug

Vorsicht bei der Kombinierung von mehreren digitalen Datenaustauschformaten!

Automatisierte und vernetzte Geschäftsabläufe sind für Unternehmen heute von zentraler Bedeutung, um auf dem globalen Markt konkurrenzfähig zu bleiben. Dafür nutzen sie oft mehrere digitale Datenaustauschformate gleichzeitig. Nicht immer ist das trotz möglichen Synergien ratsam. Komplex-e-Mitarbeiter Daniel Neuß hat untersucht, wie kompatibel einzelne Kombinationen wirklich sind und welche sich begünstigen.

In der vierten industriellen Revolution dreht sich vieles um die Vernetzung und Automatisierung der Produktion. Dafür muss beispielsweise die Kommunikation innerhalb des Unternehmens, mit Lieferanten, Zwischenhändlern oder Kunden standardisiert werden. Dazu gehört beispielsweise ein automatisierter elektronischer Datenaustausch. Diese Aufgabe übernehmen heute die digitalen Datenaustauschformate. Im Fachjargon werden sie eStandards genannt. Sie sind zu vergleichen mit einer gemeinsamen Sprache, welche die IT-Systeme nutzen, um miteinander zu kommunizieren und Daten auszutauschen.

Es gibt unterschiedliche Arten der digitalen Datenaustauschformate. Sie unterscheiden sich zum Beispiel darin, welche Daten sie austauschen können und wie detailliert. Deshalb entscheiden sich Unternehmen oft, mehrere eStandards gleichzeitig zu verwenden. Die Komplex-e-Studie zeigt, dass in 66 Prozent der Fälle die Betriebe mindestens zwei oder mehr solcher Lösungen eingeführt haben. Die folgende Tabelle zeigt, welche eStandards von KMUs derzeit zusammen verwendet werden und wie häufig:

Analyse von eStandard-Einführungsprojekten

Analyse von eStandard-Einführungsprojekten

Doch nicht alle Lösungen können ohne Probleme miteinander kombiniert werden. Es gilt daher schon bei der Entscheidung, welche eStandards im Unternehmen implementiert werden zu prüfen, ob diese miteinander funktionsfähig sind und inwiefern eine parallele Einführung die Einhaltung der zeitlichen Planung weiterhin garantiert.

Die Studie hat gezeigt, dass besonders häufige Kombinationen wie eCl@ss und BMEcat oder EANCOM mit NVE / SSCC, ECR und PRICAT auf eine sinnvolle gemeinsame Einführung deuten. Die wichtigsten Ergebnisse über die fünf im Fokus stehenden eStandardklassen der Studie werden nachfolgend beschrieben:

Im Bereich der Katalogaustauschstandards zeigt sich, dass dieser in keinem Fall ohne einen anderen Standard eingeführt wurde. In den 52 durchgeführten Projekten, bei denen BMEcat eingeführt wurde, passierte dies immer mit mindestens einem anderen Standard zusammen.

Dies liegt beispielsweise daran, dass durch die notwendige Struktur der Katlaoge es sich anbietet, seine eigenen Stammdaten nach einem Klassifikationsstandard z. B. eCl@ss zu klassifizieren. Durch eine Klassifizierung über vorgegebene Merkmale lassen sich Produkte klar und eindeutig beschreiben, was maschinelle Vergleiche im Zuge von Ausschreibungen zwischen mehreren Produktalternativen ermöglicht. Auch wird deutlich, dass die hierzu verwendeten branchenspezifischen Klassifikationsstandards proficl@ss, ETIM, bau:class immer gemeinsam mit dem branchenübergreifenden Standard eCl@ss eingeführt wurden. Um alle Anforderungen der Branche zu erfüllen, musste häufig jedoch ein zusätzlicher, branchenspezifischer eStandard genutzt werden. Durch die Harmonisierung verschiedener Standards wurde dieses Problem bereits von den Herstellern erkannt und vermindert.

Obwohl für die Verwendung von EANCOM eine GLN zur Identifikation des Unternehmens als Kommunikationspartner oder eine GTIN für die Identifikation eines Produktes innerhalb einer Rechnung benötigt wird, wird der Kommunikationsstandard sehr selten gemeinsam mit den genannten eStandards eingeführt. Es ist daher anzunehmen, dass in jenen Unternehmen die Voraussetzungen bereits gegeben waren. Dies gibt einen Hinweis darauf, dass Unternehmen oftmals mehrere eStandard-Einführungsprojekt nacheinander durchführen, um die Komplexität des Projektes implizit zu begrenzen.

Der Identifikationsstandard GRAI ist für spezielle Szenarien geeignet und wurde in jedem Projekt gemeinsam mit EPC/RFID eingeführt. Auch wenn die Stichprobe keine signifikante Beobachtung zulässt, ist anzunehmen, dass die Einführung der Standards empfehlenswert ist. Besonders bei der Retourenabwicklung von Pfandbehältnissen kann eine Identifikation mit Hilfe von EPC/RFID den Prozess vereinfachen.

Bei der Wahl mehrerer eStandards sollte also im Vorfeld die gemeinsame Anwendbarkeit geprüft werden. Dabei ist nicht nur die Harmonisierung ein wichtiges Kriterium, sondern auch die angesetzte Projektdauer sowie Erfahrungswerte hinsichtlich Projektverzögerungen.