Motivation

Die Einführung von eBusiness-Standards (eStandards) zur verbesserten Abwicklung unternehmensübergreifender Geschäftsprozesse und zur Verbesserung der Datenaustauschprozesse über elektronische Mittel ermöglicht nachweislich vielfältige Wettbewerbsvorteile wie Reduktion der Erfassungsaufwände, konsistentere Datenhaltung oder Durchlaufzeiten durch das gemeinsame Sprechen „einer Sprache“.

Die prozessübergreifende Integration dieser Standards ist vor allem durch gesteigerte Flexibilitätsanforderungen von äußerster Wichtigkeit. Sie ist eine besonders bedeutsame Voraussetzung für die Teilnahme an globalen Märkten in Form einer digitalen Kommunikation zwischen Datenlieferant und Datenempfänger.

Nichtsdestotrotz erfordert die Einführung neuer eBusiness-Verfahren einen hohen Standardisierungs- und Integrationsaufwand. Unternehmensübergreifende Prozessabläufe müssen reorganisiert, die zu Grunde liegende IT-Infrastrukturen angepasst und wo nötig auch erweitert werden. Vor allem Geschäftsprozesse mit Schnittstellen zu externen Geschäftspartnern, welche durch eStandards unterstützt werden sollen, und deren Implementierung in ERP-Systemen kennzeichnen sich dabei durch eine große Vielfalt und Abhängigkeit innerhalb ihrer Geschäftsbeziehungen.

Die durch die unternehmensübergreifende Daten- und Prozessintegration erzielten Integrationswirkungen sind nicht nur in den naheliegenden, unmittelbar betroffenen Abteilungen zu verzeichnen, sondern ergeben sich vielfach auch in weiter entfernten Bereichen des Unternehmens. Beispielsweise führt zwar die automatisierte elektronische Übernahme von Artikelstammdaten eines Lieferanten zu Entlastungen durch Wegfall der redundanten Dateneingabe im Einkauf, jedoch können ungeprüft übernommene Datensätze bei mangelhafter Datenqualität z.B. im Verkauf dazu führen, dass Artikel in den Filialen oder im Webshop fehlerhaft ausgezeichnet sind.

Die Standardisierung kann so mitunter zwar zu einem positiven Integrationseffekt an der unmittelbaren Integrationsschnittstelle, jedoch auch zu einer erhöhten Komplexität der gesamten Abläufe und negativen Integrationswirkungen an anderen Stellen des Unternehmens führen, die durch die Verknüpfung der zu Grunde liegenden integrierten Informationsverarbeitung entsteht. Zwar können bei digitaler Übertragung von Artikelstammdaten Erfassungsaufwendungen im Einkauf vermieden werden, aber zugleich steigt bei ungenügender Datenqualität der Bereinigungsaufwand in den Filialen überproportional an.

Getrieben durch die Komplexitätszunahme im Rahmen integrativer Maßnahmen, stellt die Einführung von eStandards eine große Herausforderung dar. Trotz langjähriger Forschungsbemühungen zur Erfassung der integrativen Wirkung von eStandards existiert bislang keine Unterstützung zur Vorab-Analyse aller durch eStandard-Einführungen bzw. -Änderungen unmittelbar und mittelbar betroffenen Arbeitsschritte und der damit verbundenen Komplexitätserhöhung. Somit ist der Erfolg des Einsatzes von eStandards insbesondere für KMU jenseits der unmittelbaren Integrationswirkung sehr schwer zu fassen.

Zu einem Interview über die Bedeutung des Einsatzes von eStandards für KMUs gelangen Sie über den folgenden Link.