15 Nov

eStandards im weltweiten Vergleich

Für eine Zusammenarbeit mit Geschäftspartnern rund um die Welt empfiehlt es sich, global genutzte eStandards einzusetzen. Das Komplex-e-Team hat deshalb untersucht, welche Standards weltweit angeboten werden und in welchen Regionen noch länderspezifische Formate überwiegen. 

In Deutschland gibt es viele Unternehmen, die nicht nur auf nationaler Ebene tätig sind, sondern auch international agieren. Ihre Partner sitzen dabei oftmals in verschiedenen Teilen der Welt. Der Einsatz von eStandards kann hier also eine große Chance sein, den unterschiedlichen Methoden, wie Informationen erfasst und ausgetauscht werden, ein allgemeingültiges Muster zu geben. Nur so kann langfristig gewährleistet werden, dass Geschäftspartner in Kolumbien, Kanada, Zimbabwe und Südkorea dieselben Daten sammeln und in derselben Form dokumentieren, um einen reibungslosen Austausch zu gewährleisten. Für ein international ausgerichtetes Unternehmen bedeutet das folglich, bereits bei der Wahl eines geeigneten eStandards zu prüfen, inwieweit das gewünschte Format in den Ländern verbreitet ist, in denen sich ihre Standorte oder Partner befinden. Bei der Entscheidung kann die Länderanalyse des Komplex-e-Teams helfen. Das Team hat untersucht, welche eStandards in den Regionen Europa, Nordamerika, Südamerika, Ozeanien, Afrika und Asien eingesetzt werden. Dabei lag im Fokus zu verstehen, welche eStandards global genutzt werden und wo spezielle Formate für einzelne Regionen für dort angesiedelte Branchen existieren. In nachfolgendem Bild wird präsentiert, welche eStandards eine weltweite Verbreitung gefunden haben:

Weltkarte globaler Standards

Übersicht global genutzter eStandards

 

Allgemein zeigen die Ergebnisse zunächst, dass die Auswahl von Standards bei Identifikations- und Transaktionsstandards deutlich größer ist als bei den Klassifikations- und Prozessstandards oder den Katalogaustauschformaten. Dabei variiert das Angebot auch von den betrachteten Regionen. So ist in Europa und Nordamerika insgesamt eine höhere Standardvielfalt zu finden als in den anderen Regionen. Beim Vergleich globale vs. lokale eStandards konnte festgestellt werden, dass die Verbreitung von der Region abhängig ist. So gibt es insbesondere in Südamerika viele lokale Angebote, die auf die dortigen Branchen zugeschnitten sind. Aber auch in Deutschland lassen sich viele branchenspezifische Formate finden. Insbesondere bei den Klassifikations- und Transaktionsstandards bietet der deutsche Markt eine große Vielfalt. Einige Beispiele hierzu sind in der Infobox zu finden.

PZN (Identifikationsstandard)

Ein einheitlicher Identcode für Medikamente für Deutschland und Österreich. Die Pharmazentralnummer (PZN) dient der effizienten, artikelbezogenen Kommunikation zwischen den im Gesundheitswesen tätigen Organisationen wie Krankenkassen, Pharmaunternehmen und Apotheken. Quelle

Bau:class (Klassifikationsstandard)

Ist eine Klassifizierungsinitiative von Verbänden und Unternehmen der Baubranche und kommt nur hier zum Einsatz. Mittlerweile sind die Inhalte von bau:class im Zuge von Harmonisierungskooperationen bereits vollständig in eCl@ss integriert.

Standard-Warenklassifikation (Klassifikationsstandard)

Wird branchenübergreifend eingesetzt, aber vor allem in der Konsumgüterwirtschaft. Der eStandard baut auf der Binnenhandelsstatistik des Statistischen Bundesamts auf und ist damit klar länderspezifisch. Geplant ist, dass die Standard-Warenklassifikation schrittweise vom internationalen Klassifikationsstandards GPC abgelöst wird.

openTRANS (Transaktionsstandard)

Der eStandard wurde in Deutschland von Industrie, Handel und Wissenschaft entwickelt, um eine Standardisierung von Geschäftsprozessdokumenten (z. B. Lieferavis, Rechnung) zu erreichen. Sein Einsatz beschränkt sich derzeit nur auf die Bundesrepublik.

eXTra (Transaktionsstandard)

Ein eStandard, der speziell für das deutsche Gesundheits- und Sozialwesen entwickelt wurde und für einen einheitlichen Datenaustausch zwischen Wirtschaft und Verwaltung steht.

 

Ein Nachteil der regionalen Tools ist die Sprache der dazu vorhandenen Beschreibungen und Dokumentationen. So musste in der Untersuchung festgestellt werden, dass mangelnde Sprachkenntnisse automatisch dazu führen, nicht den gesamten Umfang und somit die Stärken des jeweiligen eStandards zu erfassen. Ein international ausgerichtetes Unternehmen hätte somit auch große Probleme dieses Format zu nutzen, da beispielsweise ein Koreaner höchstwahrscheinlich nicht fließend Deutsch spricht. Auffällig war auch, dass in Asien, Afrika und Ozeanien nur die global genutzten Standards verwendet werden und damit ihr Angebot deutlich kleiner ausfällt als in den anderen drei Regionen. Dies wird in folgendem Bild nochmals verdeutlicht:

Weltkarte weiterer Standards

Weltkarte weiterer, regionenspezifischer eStandards

 

Langfristig ist allerdings ohnehin zu erwartet, dass regionale eStandards global genutzten weichen werden. Denn am Ende sollte das Ziel sein, dass alle global verteilten Teilnehmer einer Supply Chain dieselben Informationen auf dieselbe Art und Weise erfassen und austauschen.